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 Geschichtliches: chronologisch 1600 - 1850
Jahr Ereignis
1603 Landgraf Moritz von Hessen-Kassel beschloß nach dem Tode seiner Gemahlin Agnes von Solms-Laubach 1602, sich wieder zu verheiraten. 1603 ehelichte er die gerade sechzehn Jahre alte Juliane von Nassau-Dillenburg. Nach zwei Söhnen und zwei Töchtern aus erster Ehe kamen nun bis 1628 noch sieben Söhne und sieben Töchter hinzu. Juliane machte sich mit den Jahren Gedanken über die standesgemäße Versorgung ihrer Nachkommen und erreichte bei Moritz die Einwilligung, daß in Anlehnung an die im Hause Hessen geltende Erbteilung ihren Nachkommen ein Viertel Hessens, daher der Name Quart, übertragen werde. Es wurde jedoch festgelegt, daß die Quart weiterhin unter Kasseler Oberhoheit bleiben werde.
1604 Nach dem Tod des Landgrafen Ludwig IV. stirbt die Linie Hessen-Marburg aus. Gemäß Testament soll das Land zu gleichen Teilen auf Hessen Darmstadt und Hessen Kassel aufgeteilt werden. Der Norden mit Marburg (Oberhessen) wird nach einem Schiedsspruch der Räte Landgraf Moritz zugewiesen. Um die Aufteilung entsteht trotzdem ein langjähriger Streit, der im "Hessenkrieg" 1645-48 seinen Höhepunkt findet.
Landgraf Moritz öffnet ihres Glaubens wegen bedrängten Ausländern sein Land, sichert ihnen zweijährigen freien Ansitz und auf ihr Begehren hin das Bürgerrecht und den Zugang zu den Zünften zu.
1605 Das erste deutsche Theater entsteht in Kassel: das Ottoneum.
1606 Landgraf Moritz läßt durch seine drei ältesten Söhne dem Grundstein für ein neues Jagd- und Lustschloss mit Blick über das Kasseler Becken am Osthang des Habichtswaldes, an der Stelle des Klosters Weißenstein, legen.
1608 Landgraf Moritz, ab 1605 selbst Calvinist, verstößt bei seinen Bemühungen um das Erbe des Marburger Landesteiles gegen die Konfessionsgarantie, indem er calvinistischen Einfluss geltend macht und bringt damit die lutherische Geistlichkeit gegen sich auf. Das gab dem Darmstädter Landgrafen Ludwig V. den willkommenen Anlass, beim katholischen Kaiser ganz Oberhessen für sich zu fordern. Nachdem die Darmstädter Unterstützung beim Kaiser suchen, verbündet sich Moritz mit dem calvinistischen Kurfürsten Friedrich V. von der Pfalz.
1609 Moritz beabsichtigt, die allgemeine Wehrpflicht einzuführen.
1613 Da eine Theateraufführung ohne musikalische Umrahmung nach damaligem Verständnis nur schwer vorstellbar war, genoss die Hofkapelle in Kassel die besondere Förderung des Landgrafen; nicht ohne Erfolg wie die Nachwelt zu schätzen weiß, denn einer ihrer bekanntesten Repräsentanten war der Komponist und Organist Heinrich Schütz, ein ehemaliger Schüler des "Collegium Mauritianum". Auf Kosten des Landgrafen erfuhr Schütz in Venedig eine musikalische Ausbildung bei Giovanni Gabrieli und übernahm ab 1613 eine führende Rolle in der Kasseler Hofkapelle.
1616 Moritz erlässt die erste hessische Medizinalordnung
1618 Prager Fenstersturz, Beginn des 30jährigen Krieges
1620 Kurfürst Friedrich V. von der Pfalz nimmt gegen das Reichsrecht die böhmische Krone an, in der Schlacht am weißen Berg bei Prag werden die böhmischen Truppen von den kaiserlichen vernichtend geschlagen, Friedrich wird vom Kaiser geächtet und muss fliehen. Damit verliert auch Landgraf Moritz einen seiner wichtigsten Verbündeten.
1621 Moritz erlaubt den militärischen Führern des geschlagenen Böhmenkönigs den Durchzug Ihrer Truppen durch Hessen. Als diese dann noch Darmstadt einnehmen und den Landgrafen Ludwig gefangen nehmen, ist die kaiserliche Strafaktion beschlossene Sache.
1623 Der Reichshofrat spricht ganz Oberhessen dem Darmstädter Landgrafen Ludwig V. zu.
1626 Nachdem Moritz öffentlich mit den Franzosen sympathisierte und deren Hilfe unbedenklich gegen die immer mehr katholisierend Richtung der Wiener Hofpolitik in Anspruch nahm, hat er den Einmarsch Tillys geradezu heraufbeschworen. Tilly war mit seinen Truppen bis an Kassel herangerückt, war aber dann gegen die Stadt Münden gezogen, die eingeäschert wurde. Tilly rückte nun wieder zur Einschließung der Stadt vor, die voll mit Soldaten und Landflüchtlingen war. Zu allem übel kam noch die grassierende Pest hinzu. Erst nachdem der Landgraf sich verpflichtet hatte, alle Verhandlungen mit auswärtigen Mächten zu unterlassen, zog Tilly mit seinen Truppen bei der Annäherung eines dänischen Heeres ab.
1627 Aufgrund des verschwenderischen Lebens des Landgrafen hat die Verschuldung des Landes eine Höhe von rund 2,5 Millionen Gulden erreicht.
Im Frühjahr wird Moritz in einem Staatsakt im Kasseler Schloss von den Ständen zum Thronverzicht zugunsten seines Sohnes Wilhelm V. gezwungen. Er tut dies nicht, ohne vorher durch einen Vertrag die Versorgung seiner Frau Juliane und deren Kinder zu sichern: ein Viertel (Quart) des Landes muss sein Sohn an die Kinder aus der zweiten Ehe seines Vaters abtreten.
Juliane bezog 1629 mit ihren Kindern ihre neue Residenz Rotenburg, nachdem die Untertanen den Eid auf die neue Herrschaft abgelegt hatten. Die sogenannte Rotenburger Quart umfaßte neben der Residenz noch Stadt, Amt und Schloß Eschwege, Stadt und Amt Sontra, die Gerichte Bilstein und Germerode (beide bei Witzenhausen), Stadt und Amt Wanfried, das hessische Drittel von Treffurt, die Stadt Witzenhausen, Burg und Amt Ludwigstein und die Herrschaft Plesse (nördlich Göttingen) mit dem Amt Gleichen.

Wilhelm V. tritt ein chaotisches finanzielles Erbe an und muss in September zugunsten seiner Darmstädter Vettern auf Oberhessen verzichten.
1630 Landgraf Wilhelm V. verbündet sich mit dem Schwedenkönig Gustav Adolf.
1631 Nach der erfolgreichen Schlacht bei Breitenfeld in Mainz erhielt der Landgraf von Hessen-Kassel als verbriefte Schenkung von Gustav Adolf die Stifte Hersfeld, Fulda, Paderborn und Teile Westfalens, - und das noch zu erobernde Bistum Münster
1632 Am 17. März stirbt Moritz auf seinem Schloss in Eschwege, wohin er sich zurückgezogen hatte.
Mit dem Tode des Schwedenkönigs in der Schlacht bei Lützen im November 1632 bricht die politische Basis des Landgrafen Wilhelm V. weg. Er hatte es gewagt, sich mit dem Gegner des Kaisers zu verbünden und sein Land, seine Bevölkerung muss nun dafür büßen. Kaiserliche Strafaktionen bescheren dem besetzten Niederhessen Jahre unbeschreiblicher Kriegsgräuel und Verwüstungen. Nach der Niederlage der Schweden bei Nördlingen wetteifern kaiserliche, schwedische und französische Truppen bei der Verwüstung des Landes. Landgraf Wilhelm zieht sich nach Friesland zurück.
1633 In Kassel wird im Nordwestflügel des Renthofs eine Universität eröffnet.
1636 Das Jahr 1636 verwandelt ganz Hessen in eine Einöde, 18 hessische Städte gehen in Flammen auf, 47 Burgen und 100 Dörfer werden zerstört, nur die Hauptstadt Kassel bleibt verschont.
1637 In Kassel hält wieder die Pest Einzug, ihr fallen 1440 Personen zum Opfer. Landgraf Wilhelm V. kommt bei seinem Heer in Ostfriesland ums Leben.
1640 Die Landgräfin Amelia Elisabeth kehrt aus dem hessischen Hauptquartier in Westfalen in die Residenz zurück. Als Vormund ihres Sohnes Wilhelm VI. hatte sie nach dem Tode ihres Gemahls die Regierungsgeschäfte übernommen.
1637 Ein verheerendes Hochwasser durchflutet die tiefer gelegenen Stadtteile. Acht Häuser in der Nordstadt fallen den Fluten zum Opfer.
1645 Amelia Elisabeth erneuert den 1614 bestätigten Erbverein mit Brandenburg und beauftragt im Mai 1645 ihren General Johann Geyso im Zusammenwirken mit den Franzosen unter Marschall Turenne und den Schweden unter Graf Königsmark mit der Wiedereroberung Oberhessens.
Am 6. März marschieren die Kasseler Truppen in Oberhessen ein. Die kampferprobte Kasseler Armee ist den Truppen des Landgrafen Georg II. eindeutig überlegen. Damit wird der "Hessenkrieg" eröffnet, der letzte erbitterte Krieg um das Marburger Erbe. Bei diesem Krieg geht es nicht allein um das an die Darmstädter Vettern verlorene Land, es geht auch um strategische Positionen bei den in Münster und Osnabrück beginnenden Friedensverhandlungen.
1648 Beendigung des 30jährigen Krieges mit dem westfälischen Frieden.
Mit dem am 24. Oktober unterzeichneten "Westfälischen Frieden" wurde auch der ein halbes Jahr vorher vereinbarte "Einigungs- und Friedensvertrag" zwischen den beiden Teilen Hessens sanktioniert. Der "Hessenkrieg" war damit beendet. Landgraf Georg II. von Hessen-Darmstadt verzichtete auf ein Viertel von Oberhessen mit Marburg. Außerdem musste er auf alle bisher eroberten Territorien, darunter die von ihn annektierte Herrschaft Schmalkalden an Hessen-Kassel abtreten.

Nach dem Westfälischen Frieden fielen aus den hessischen Erwerbungen noch Schloß und Amt Rheinfels mit St. Goar, St. Goarshausen, Burg Neukatzenelnbogen und das Amt Hohenstein mit Bad Schwalbach an Hessen-Rotenburg. In dieser Zeit ist der Hausname Hessen-Rheinfels-Rotenburg üblich.
1650 Im goldenen Saal des Landgrafenschlosses legt Landgräfin Amelia Elisabeth Ihre vormundschaftliche Regentschaft nieder. Ihr Sohn, Wilhelm VI., übernimmt die Regentschaft.
1654 Landgraf Karl wird am 3. August geboren.

1661 Gastwirt Reinhard Bödicker wird vom Landgrafen zum hessischen Postverwalter in Kassel bestellt.
1667 Die bisher neben der hessischen bestehende kaiserliche Post wird verboten.
1677 Landgraf Karl übernimmt am 8. August die Regierungsgeschäfte von seiner Mutter Hedwig Sophie von Brandenburg, die bis dahin die Vormundschaft hatte.
1679 östlich des Dorfes Bettenhausen läßt Landgraf Karl ein Messingwerk bauen, den Messinghof, um hier die Kupferschätze seines Landes zu verwerten.
1685 Ludwig XIV. hebt in Frankreich das Edikt von Nantes auf, durch das allen Franzosen die Religionsfreiheit zugesichert war. Protestanten, die bei ihrem Glaubensbekennnis beharren, zwingt er zur Auswanderung.
Nachdem sich die landgräfliche Politik gegenüber den Franzosen geändert hat, nimmt Kassel französische Glaubensflüchtlinge (Hugenotten) auf, in der Zeit von 1685-87 etwa 800 Menschen. Diese werden zumeist in der Altstadt angesiedelt.
1688 Feldzug des Landgrafen Karl gegen Frankreich, das die Pfalz zerstört hatte.
1690 In der Kasseler Unterneustadt wird ein Waisenhaus gebaut. Fertig ist es 1700.
1698 Im Auftrag des Landgrafen beginnt Paul du Ry, ein in Paris geborener Architekt, mit der Planung eines neuen Stadtteils für die Hugenotten, der Oberneustadt. Der Grundstein für die neue Kirche (Karlskirche) in der Oberneustadt wird gelegt.
1701 Landgraf Karl gibt den Auftrag zum Bau des Orangerieschlosses auf der Aueinsel, die Planungen des Baues eines Riesenschlosses auf dem Weißenstein durch den aus Rom stammenden Architekten Giovanni Francesco Guerniero beginnen.
1709 Gründung des "Collegium Carolinum", einem Vorläufer der späteren Gewerbeschulen.
1710 Um die wirtschaftlichen Kräfte zu stärken, wird eine Kommerzienkammer ins Leben gerufen.
1711
Fertigstellung des Orangerieschlosses, Beginn der Bauarbeiten an der Parkanlage, der heutigen Karlsaue.
Orangerie
Handcolorierter Stahlstich von Johann G.F. Poppel nach einer Zeichnung von Ludwig Rohbock, 1850
1714 Am ersten Sonntag im Juni fließt das erste Mal am Karlsberg (heute Wilhelmshöhe) das Wasser die Kaskaden hinunter.
Der schwedische König übernachtet inkognito im Gasthof "Stadt Stockholm" in der Mittelgasse.
Nach einem Entwurf des Architekten Paul du Ry entsteht an der schönen Aussicht ein Observatorium (heute Palais Bellevue).
1717 Das Riesenschloss auf dem Weißenstein wird mit dem Aufsetzen der vom Augsburger Goldschmidt Anthoni in Kupfer getriebenen Herkulesstatue fertig gestellt.
1722 Bau des dem Orangerieschloss vorgelagerten Mamorbads.
1723 Die Stadt Kassel hat 12.289 Einwohner
1726 Landgraf Karl führt in Hessen und Kassel die allgemeine Schulpflicht ein.
1728 Der französische Bildhauer Pierre Etienne Monnot übergibt das von ihm geschaffene Marmorbad Landgraf Karl.
1729 Georg II., König von Großbritannien, kommt zu Besuch. Landgraf Karl läßt zu seinen Ehren das komplette hessische Herr (12000 Mann) bei Bettenhausen aufmarschieren.
1730 Nach dem Tode des Landgrafen Karl wäre Erbprinz Friederich Landgraf von Hessen geworden, er hatte sich aber mit der Schwester des schwedischen Königs Karl XII. vermählt, durch die er 1720 die schwedische Krone erhielt. Er übertrug die Statthalterschaft seinem Bruder Wilhelm VIII.
1735 Mit Johann Reinhard III. stirbt siebzigjährig der letzte männliche Vertreter des Hanauer Grafenhauses. Bereits vor seinem Tod hatte er bestimmt, dass die Gebiete südlich des Mains an den Gatten seiner einzigen, 1726 gestorbenen Tochter Charlotte, Erbprinz Ludwig VIII. von Hessen-Darmstadt fallen sollten.
Die übrigen Stammlande bekam gemäß des Erbvertrags von 1643 Landgraf Wilhelm VIII. von Hessen-Kassel. Damit war die Grafschaft Hanau kein eigenständiges politisches Territorium mehr
1748 Prinz Friedrich von Hessen-Kassel, der spätere Landgraf Friedrich II., tritt heimlich zum katholischen Glauben über. Erst sechs Jahre später erfährt der Vater von diesem Schritt.
1750 Nach 20jähriger Statthalterschaft übernimmt Wilhelm VIII. nach dem Tode des kinderlosen Bruders selbst die Regentschaft.
1753 Es erfolgt die Grundsteinlegung des Mittelbaues von Schloss Wilhelmsthal. Die Pläne stammen von Cuvilles d.ä., die Bauleitung hat Simon Louis du Ry.
1754 Die Landesteile Amt Rheinfels mit St. Goar, St. Goarshausen, Burg Neukatzenelnbogen und das Amt Hohenstein mit Bad Schwalbach wurden 1754 an Hessen-Kassel zurückgegeben und dafür die Einführung der Primogenitur (Nachfolge durch den Erstgeborenen statt der in Hessen üblichen Erbteilung) im Hause Hessen-Rotenburg eingehandelt.
1757 Französische Truppen besetzen kampflos die Stadt, da sämtliche hessischen Truppen bei der alliierten Armee in Norddeutschland gebunden sind.
1758 Die Französische Truppen verlassen Kassel am 21.03. in Richtung Paderborn.
Landgraf Wilhelm VIII. kehrt am 6.5. wieder in seine Residenz zurück, muss aber bereits am 18.7. wieder vor den erneut anrückenden Franzosen fliehen. In der Schlacht am Sanderhäuser Berg am 23.7. muss der hessische General Prinz Kasimir von Isenburg mit seinen Truppen vor den dreifach überlegenen Franzosen zurückweichen. Kassel ist wieder unter Besatzung.
Bei Lutterberg werden die alliierten Truppen unter General von Oberg am 10.10. erneut geschlagen.
1760 Am 1.2. stirbt Landgraf Wilhelm VIII. in Rinteln.
Am 31.7. besetzen sächsische und französische Truppen kampflos die Stadt.
Friedrich II. tritt die Nachfolge seines verstorbenen Vaters, Wilhelm VIII. an.
1761 Die Alliierten Truppen belagern vom 19.2. bis 27.3. vergeblich das von französichen Truppen besetzte Kassel.
1762 Vor den Toren Wilhelmsthals wird die erste Schlacht im letzten Feldzug des siebenjährigen Krieges geschlagen.
1762 Kapitulation der französischen Besatzung von Kassel am 1.11. nach der zweiten Belagerung.
1764 Friedrich II., blieb von der Verwaltung der Grafschaft Hanau ausgeschlossen. Stattdessen regierte der junge Erbprinz Wilhelm IX., derselbe wurde später als Kurfürst Wilhelm I. zu einer der umstrittensten Gestalten der hessischen Geschichte. In jedem Fall hat er die Stadt Hanau großzügig gefördert. 1765 ließ er die Befestigung zwischen der Alt- und Neustadt Hanau niederreißen. Es entstand der Paradeplatz (heute Freiheitsplatz). 1768 läßt er dort das Stadttheater und das Kollegienhaus (heute Behördenhaus) errichten.
1767 Beginn der Schleifung der Festunganlagen in Kassel, die im 7jährigen Krieg nicht mehr standgehalten hatten.
1768
Vor der Karlskirche wird eine Statue Landgraf Karls aufgestellt, die 1686 von Bartholomäus Eggers in Rom geschaffen worden war.
Carls-Kirche
Handcolorierte Lithogafie von Th. Fischer, 1865
1771 Kassel Straßen werden gepflastert, bis 1780 sind alle Staßen mit Pflaster ausgebaut.
Wilhelm IX. verkauft im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg hessische Soldaten an seinen Onkel Georg IV. von England. Die eingenommenen Gelder erlauben es Wilhelm, die Kuranlage Wilhelmsbad bei Hanau zu erbauen (Baubeginn 1777).
1776 In Bremerlehe beginnt die Einschiffung der ersten hessischen Soldaten, die im Dienst der englischen Krone den Aufstand der nordamerikanischen Kolonien bekämpfen sollen. Die hessischen Landgrafen erhalten für den Verkauf bzw. die "Vermietung" der Soldaten insgesamt 21 Millionen Taler. Rund 30 000 Mann werden angeworben. Hessen-Kassel stellt mit 17 000 daran den größten Anteil. Jedoch sind nicht alle Landeskinder, zum Teil werden auch fremde Söldner angeworben.
Am 15. Januar 1776 hatte der Minister Martin Ernst von Schlieffen den Subsidienvertrag unterzeichnet. Noch im gleichen Jahr kamen die ersten Regimenter in Nordamerika an und besetzten New York. Am Weihnachtsabend des Jahres 1776 wurden sie jedoch bei Trenton vom Rebellengeneral George Washington überrumpelt. Die letzten Reste der Truppen kehrten 1784 zurück.
1778 Georg Forster (Naturforscher) lehrte und forschte 1778 bis 1784 im Collegium Carolinum am Steinweg. Er hatte als junger Mann James Cook auf dessen zweiter Weltumseglung begleitet.
Das erste anatomische Institut in Deutschland wird in der Unterneustadt gegründet, das Theatrum Anatomicum.
Am 1.05. Gründung der Kolonie Philippinenhof im Norden der Stadt durch 8 Familien.
1779 Landgraf Friedrich II. gründet des Lyceum Fridericianum, er schenkt dazu der Stadt das sogenannte Zanthiersche Haus in der Königstraße 47. Damit brachte er das erste Gymnasium auf den Weg (heutiges Friedrichsgymnasium).
Fertigstellung des "Museum Fridericianum" in Kassel, Zusammenführung der Sammlungen des Landgrafen einschließlich der Bibliothek.
1780 Landgraf Wilhelm IX. läßt die Bibliothek an 4 Tagen pro Woche der öffentlichkeit zugänglich machen.
1783 Auf dem Friedrichsplatz wird das Denkmal Landgraf Friedrichs II. enthüllt, der nicht nur ein Förderer der Künste war, sondern sich auch der Wirtschaft annahm.
1785 Landgraf Wilhelm IX. wird am 3.6.1743 als ältester Sohn des Landgrafen Friedrich II. geboren. Schon ab 1764 regiert er die Grafschaft Hanau. 1785 übernimmt er die Regierung in Kassel.
1786 Baubeginn am Schloss Wilhelmshöhe
1787 Das Gebäude der Anatomie in der Unterneustadt wird komplett abgerissen und in Marburg wieder aufgebaut.
1788 Baubeginn einer neuen Brücke über die Fulda, der Wilhelmsbrücke. Die aus dem Ende des 11.Jh. stammende Magdalenenkirche muss dem Brückenbau weichen - sie wird abgerissen.
1793 Einweihung der Kapelle im Nordflügel des Schlosses Wilhelmshöhe (21.04.).
Im Wilhelmshöher Park wird der Steinhöfersche Wasserfall vollendet und mit der Einweihung der Kapelle am 4.6. ist die Löwenburg vollendet.
Fertigstellung der den Fluss in drei Bögen überspannenden Wilhelmsbrücke in Kassel.
1796 Die Brüder Grimm, Jakob und Wilhelm, werden von der Mutter nach Kassel zu Verwandten geschickt, um hier das Gymnasium Lyceum Fridericianum zu besuchen.
Der König von Preußen, Friedrich Wilhelm II. besucht Kassel. Anlass ist die beabsichtigte Vermählung seiner Tochter Auguste mit dem Erbprinzen Wilhelm von Hessen-Kassel.
1801 Fertigstellung des Schloss Wilhelmshöhe, die Seitenflügel sind noch eine Schöpfung Simon Louis du Rys, der Mittelbau stammt von Jussow.
1803 Landgraf Wilhelm IX. erlangt die Kurwürde und regiert fortan als Kurfürst Wilhelm I.
1806 Kurfürst Wilhelms Doppelspiel, mit Preußen nicht brechen und sich mit Frankreich nicht zu verbünden, kostet ihn sein Land.
Am 1. November 1806 ziehen die napoleonischen Truppen in Kassel ohne Widerstand ein, am gleichen Tage der König Ludwig von Holland mit seinen Garden. Der Kurfürst hatte sich in Sicherheit gebracht und gelangte auf Umwegen nach Prag.
1807 Im Frieden von Tilsit wird Kassel die Hauptstadt des aus Kurhessen, Braunschweig, einem großen Teil Preußens und Hannovers gebildeten Königreichs Westfalen. König wird Jérôme, Napoleons jüngster Bruder, der sich nach der Trennung von Elisa Patterson auf Befehls des Kaisers mit Katharina von Württemberg vermählt hatte. Er bezieht das Schloss Wilhelmshöhe, das ab sofort in Napoleonshöhe umbenannt wird.
1811
Durch einen Brand wird das landgräfliche Schloss in Kassel zerstört.
Das fürstliche Schloss
1813 Nach der Völkerschlacht bei Leipzig, in der Napoleon vernichtend geschlagen wird, flieht König Jérôme nach Konstanz.
Kurfürst Wilhelm kehrte nach Kassel zurück.
1814 Wilhelm Grimm wird am 15.2. Bibliothekssekretär an der kurfürstlichen Bibliothek im Museum Fridericianum.
1816 Jacob Grimm wird am 16.4.zweiter Bibliothekar an der kurfürstlichen Bibliothek im Museum Fridericianum.
1816 Gegen eine jährliche Pacht von 42 000 Talern überläßt Kurfürst Wilhelm I. das hessische Postwesen den Fürsten Thurn und Taxis.
1817 Carl Anton Henschel wird Teilhaber in der Werkstatt seines Vaters, die Produktion verlagert sich auf Maschinenbau.
1820
Für den Neubau eines Schlosses an Stelle des abgebrannten Landgrafenschlosses wird der Grundstein gelegt. Es hat den Namen Kattenburg, der Bau kommt jedoch nicht über das Erdgeschoß hinaus.
Kattenburg und Rondell
Handcolorierter Stahlstich von Joh. Umbach nach einer Zeichnung von Ludwig Rohbock, 1830
1821 Kurfürst Wilhelm I. scheidet aus dem Leben. Seine sterblichen überreste (gest. 22.2.) ruhen in der Gruft der Kapelle der Löwenburg.
1822 Am 1.1. tritt Karl Schomburg sein Amt als Stadtoberhaupt an.
1822 Nach Entwürfen des Oberbaudirektors Johann Konrad Bromeis entsteht im Park Wilhelmshöhe das Gewächshaus.
1829 Jakob und Wilhelm Grimm verlassen am 30.10. Kassel, um Stellen als Professoren in Göttingen anzunehmen.
1830 Karl Herbold ruft nach Bekanntwerden der Pariser Juli-Revolution eine Bürgerversammlung ein, um eine Bittschrift an den Kurfürsten zu formulieren (zu damaliger Zeit ein ungeheures Wagnis).
1830 Am 7.9. gründen ca. 300 Bürger der Stadt einen Verein zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit, die Bürgergarde.
1830 Eine Bürgerdeputation mit Bürgermeister Karl Schomburg an der Spitze überreicht im roten Palais am Friedrichsplatz Kurfürst Wilhelm II. eine Bittschrift zur Einberufung der Stände. Die Stände sollten einberufen werden, um über Verbesserungen der wirtschaftlichen und politischen Lage zu beraten. Ziel war die Neugestaltung der politischen Verhältnisse durch eine neue Verfassung.
1831 Im gelben Saal des Bellvue-Schlosses wird die neue Staatsverfassung des Kurfürstentums Hessen unterzeichnet und verkündet (5.1.).
1832 Der Kasseler Stadtrat errichtet auf eigene Verantwortung und unter eigener Aufsicht eine Sparkasse, um "minderbemittelten" Personen Gelegenheit zu geben, ihre Ersparnisse sicher anzulegen und durch Zinsen vermehren zu können.
1834 Mit dem Zustandekommen des preußisch-deutschen Zollvereins wird auf wirtschaftlichem Gebiet eine Vereinigung vollzogen.

1834 stirbt Landgraf Victor Amadeus von Hessen-Rotenburg, trotz dreier Ehen kinderlos. Damit erlischt das Haus Hessen-Rotenburg und die Quart fällt nach über 200 Jahren an Hessen-Kassel zurück.
1836 Das Ständehaus, Parlamentsgebäude des kurhessischen Staates, wird in Gegenwart des Prinzregenten Friedrich Wilhelm (dem späteren Kurfürsten) eingeweiht.
1837 Die Firma Henschel & Sohn nimmt am Möncheberg mit 200 Arbeitern ihr neues Werk in Betrieb.
1844 Der kurhessische Landtag beschließt die Aufnahme einer Anleihe von 6 Mio. Talern zum Bau einer Staatseisenbahn. Bis dahin war Kurhessen der einzige Staat, der keine Staatsschulden hatte.
1845 Friedrich und Karl Murhard bestimmen in ihrem Testament die Stadt Kassel als Erbin ihres Vermögens, mit der Auflage, dass die Zinsen zur Errichtung einer Bibliothek und zum Ankauf wissenschaftlicher Werke verwendet werden sollen.
1848
Henschel liefert die erste Lokomotive (Drache, Achsfolge 2'B) an die Friedrich-Wilhelm-Nordbahn (FWN).
Exakt 15.686 Taler hatte die "Erste Kurhessische Eisenbahn" für die Lokomotive bezahlen müssen. Für die damalige Zeit eine erstaunliche Summe, aber sicher nicht zu wenig für ein starkes Gefährt, das Personen- und Güterzüge mit einer Geschwindigkeit von bis zu 45 Kilometern durch die Lande zog. Bei der Technik des "Drachen" muß besonders das Drehgestell der Lokomotive hervorgehoben werden, dessen Laufeigenschaften überzeugend waren. Der "Drache" erhielt die Betriebsnummer 19 und war zusammen mit seinen drei jüngeren Schwesterlokomotiven "Pfeil", "Hessia" und "Cassel" 20 Jahre lang bis 1868 im Einsatz.
Am 30.03. werden von der FWN die Eisenbahnverbindung Grebenstein - Hümme - Bad Karlshafen, am 18.08. die Verbindungen Kassel - Grebenstein und am 29.8. Bebra - Guxhagen eröffnet.

Henschel - Drache
1849 Die Friedrich-Wilhelm-Nordbahn stellt die Eisenbahnverbindungen Hümme - Haueda am 6.3. sowie Guntershausen - Guxhagen und Bebra - Gerstungen am 25.9. fertig.

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